Archiv für August 2009

30
Aug
09

nutshell

build a ship, sail to sadness

Traumwelten sind schön. Man kann sich in ihnen verstecken, man kann dort Neues finden, man kann dort auch Inspiration suchen. Man kann sie in Tagträumen, im Rausch, im Schlaf, beim Lesen oder Hören einer Geschichte oder einfach nur in seiner eigenen Fantasie finden. Und sie sind wichtig, sogar essentiel für Kreativität und Innovation, und wie arm ist eine Gesellschaft, die nicht mehr träumen kann, darf oder will.

Träumen braucht auch Mut, besonders das Äußern und Vertreten von Träumen, doch es ist gleichzeitig schön und wichtig: Denn wer seine Träume offen legt und vertritt, der macht sich zwar angreifbar, aber vielleicht gibt er seinen Funken weiter, vielleicht sehen andere die Schönheit seiner Ideale und so können Schritte in die Richtung dieser Träume gegangen werden.

22
Aug
09

sich ûz húoben

sich ûz huoben

Was soll ich schon schreiben… Heute ist einfach kein Tag dafür!

19
Aug
09

growth

mushroom[wordless wednesday]

15
Aug
09

walter benjamin. teil eins

mamiya again

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Im neunzehnten Jahrhundert wurde die Frage, ob die Fotografie eine Kunst sei, heftig diskutiert. Heute mag sie uns abwegig erscheinen, denn die Fotografie hat sich ihren Stellenwert längst erkämpft, wird in allen Galerien ausgestellt und ist vollständig in der Hochkultur angekommen. Niemand hat gefragt, wie sehr sich die Kunst an sich durch die Fotografie verändert. Und das tat sie und tut sie immer noch, durch die Digitalisierung noch viel mehr. Doch wie? Und warum? Dieser Frage ist der Medientheoretiker, Philosoph und Kritiker Walter Benjamin nachgegangen, und er hat sich dabei allerdings nicht auf die Fotografie beschränkt, sondern dies auf alle Medien ausgeweitet. In seinem Werk „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ schreibt er 1935 eine Analyse der sozialen Veränderungen der Kunst, die nicht allein auf dem Stadium der technischen Entwicklung basieren, sondern auch heute noch allgemein gültig sind. Und das Internet bestätigt Benjamin nur.

Alles von Menschenhand Geschaffene konnte schon immer nachgemacht werden.
Und das wurde es auch immer schon, um vom Meister zu lernen, eigene Arbeiten zu verbreiten oder aus ökonomischen Gründen. Doch diese Reproduktion konnte nie die Aura eines Kunstwerks herstellen, das Hier und Jetzt, seine traditionelle und historische Geschichte, sein Dasein an einem Ort. Das kann die technische Reproduktion auch nicht, doch während die manuelle Reproduktion neben dem Original immer nur als Fälschung dastand und das Original deswegen eine gewisse Autorität behielt, stellt die die technische Reproduktion diese Autorität aus zwei Gründen in Frage: Erstens ist die technische Reproduktion eigenständiger, sie kann durch bestimmte Verfahren wie Vergrößerung, Zeitlupe oder durch verstellbare Linsen neue Seiten hervorheben und Teile des Originals zeigen, die der normalen Optik und dem menschlichen Auge sonst nicht zugänglich wären. Zweitens kann die technische Reproduktion das Original an Orte und in Situationen bringen, die mit dem Kunstwerk sonst nicht möglich wären. Wie stark diese Entwicklung durch moderne tragbare Geräte vorangetrieben wurde, konnte Walter Benjamin wahrscheinlich nicht einmal annähernd ahnen. Doch es bleibt immer noch die Aura.

Die Einzigkeit eines Kunstwerks ist identisch mit dem Eingebettetsein in die Tradition.
Die usprünglichste Art dieser Einbettung in die Tradition war die Herstellung von Objekten für den Kult. Die ersten Kunstwerke wurden für rituelle Zwecke geschaffen, erst für magische dann für religiöse. Natürlich ist die Tradition historisch gesehen etwas lebendiges und wandelbares, aber trotzdem hat sich das Kunstwerk nie aus diesem Zusammenhang gelöst. Erst durch die Weiterentwicklung der verschiedenen Kunstdisziplinen verschob sich der Fokus der Kunstrezeption vom Kultwert zum anderen Pol hin, nämlich hin zum Ausstellungswert. Der Ausstellungswert einer Messe mag zwar nicht automatisch geringer sein als der einer Symphonie, und trotzdem entstand die Symphonie als ihr Ausstellungswert größer als der der Messe zu werden schien.

In der Fotografie beginnt der Ausstellungswert den Kunstwert auf der ganzen Linie zurückzudrängen.
Diese quantitative Verschiebung ins andere Extrem durch das Auftreten der Fotografie, dem ersten wirklich revolutionären Reproduktionsmittel, bedeutet natürlich auch eine qualitative Veränderung. Der urzeitliche, reine Fokus auf den Kultwert machte das Kunstwerk zu einem Gebilde rein magischer Funktion, das erst später als Kunstwerk gesehen wurde.
Genauso wird das Kunstwerk durch das absolute Gewicht, das auf dem Ausstellungswert liegt, heute zu einem Gebilde mit ganz neuen sozialen Funktionen, wobei die aktuell künstlerische vielleicht in Zukunft nur mehr als eine völlig beiläufige erscheinen mag.

Als die Kunst das Nahen der Krise spürt, reagiert sie mit der Lehre vom l’art pour l’art.
Diese Idee der „reinen“ Kunst um der Kunst’ Willen bleibt aber ohne soziale Funktion oder gegenständlicher Grundlage, ist aber doch wichtig für die dialektische Entwicklung. Denn zum ersten Mal löst sie sich von ihrem parasitären Dasein am Ritual.
Gleichzeitig darf sie aber auch nicht beim schnöden Schönheitsdienst bleiben, um nicht in den Kitsch zu verfallen, und außerdem richtet sich die Kunst auch nach dem Medium aus. Benjamin selbst beschreibt dies in dem schönen Satz: „Das reproduzierte Kunstwerk wird in steigendem Maße die Reproduktion eines auf Reproduzierbarkeit angelegten Kunstwerkes!“
Er selbst zählt hier noch Fotografie und Film auf, um diese Erkenntnis brauchbar zu nützen, doch mit der Digitalisierung ist beinahe jedes Medium zum Inbegriff der technischen Reproduzierbarkeit geworden.

Was im Zeitalter der technischen Reproduktion zertrümmert wird, das ist die Aura.
Die Aura war es, die für uns das Prinzip des Originals definierte. Wenn sich nun allerdings die Kunst an der technischen Reproduzierbarkeit ausrichtet, und dies eine Emanzipation vom Ritual bedeutet, so heißt das, dass wir uns in der Kunst vom Original, vom Einzigartigen und von der Aura verabschieden müssen.
Dies geht einher mit der gestiegenen Bedeutung der Massen heutzutage, denn es ist heute ein elementares Bestreben der Massen, sich die Dinge räumlich und menschlich „näherzubringen“ und die Einmaligkeit zu überwinden.
Benjamin kann die gesellschaftlichen Bedingungen für diesen Verfall der Aura aufzeigen:  „Immerhalb großer geschichtlicher Zeiträume verändert sich mit der gesamten Daseinsweise der menschlichen Kollektiva auch die Art und Weise ihrer Sinneswahrnehmung.“ Desweiteren schreibt er: „Die Ausrichtung der Realität auf die Massen und der Massen auf sie ist ein Vorgang von unbegrenzter Tragweite sowohl für das Denken, als auch für die Anschauung.

Doch was bedeutet das? Benjamin schließt: „In dem Augenblick aber, da der Maßstab der Echtheit an der Kunstproduktion versagt, hat sich die gesamte soziale Funktion der Kunst umgewälzt. An die Stelle ihrer Fundierung aufs Ritual tritt ihre Fundierung auf eine andere Praxis: nämlich ihre Fundierung auf Politik.

10
Aug
09

reproduktion

light leak

Die Kunsttheorie hat zwar stets vermutet, dass sich durch die Erfindung von neuen Medien, wie Fotografie oder Film, die Kunst stark verändern wird, aber in der Allgemeinheit ist nie angekommen, wie grundlegend diese Veränderung sein wird.
Und dann kam das Internet.

Begriffe wie „Echtheit“ oder „Original“ sind veraltet und stammen noch immer aus dem traditionell-kultischen Hintergrund der Kunst. Doch die Kunst löst sich von diesem Hintergrund, und Medien, die bewusst auf die eigene Reproduzierbarkeit ausgelegt sind, treiben diese Entwicklung immer stärker vorran. Die Kunst richtet sich an diesen Medien aus und verändert damit die eigene soziale Funktion innerhalb der Gesellschaft.

Ich habe hier nur kurz die Medientheorie von Walter Benjamin gestreift, die meine Medien- und Kunstwahrnehmung grundlegend verändert hat. Nächsten Samstag wird hier dann ein längerer Post erscheinen, in dem ich die ganze Theorie zusammenfasse. Bis dahin mach ich aber noch Urlaub am Bodensee…

08
Aug
09

personifikation

gedankenarbeit

Ich hab grad viel zu denken. Es widerstrebt mir noch immer, zu akzeptieren, dass es Konkretes und Eindeutiges gibt. Und solange ich mir da selbst nicht sicher bin, lasse ich euch mit einem Zitat aus den FAQ des Zentrums Für Politische Schönheit allein:

„Was Schönheit auslöst, mag relativ sein. Schönheit ist aber nicht seine Auslöser, sondern ein Gefühl. Das Empfinden von Schönheit ist nicht relativ.

05
Aug
09

strombaum eins

doch es geht[wordless wednesday]

03
Aug
09

post-india post

pen?

Zurück aus Indien, und viele, viele Fotos mitgebracht!

Praktischerweise hab ichs gleich am zweiten Tag geschafft, meine Lomo zu ruinieren, also gibts davon nur einen halben Film… Ja: Shit!

Ich hab leider gleichzeitig den Fehler gemacht, zu feige zu sein. Ich habe nur zwei Linsen mitgenommen, nämlich das 50/1.8 und mein Lensbaby. Das sind zwar meine beiden Lieblingsobjektive und sowohl robust als auch praktisch, aber gerade gegen Ende der Reise wären ein Weitwinkel und ein Tele ein Segen gewesen!
Egal, so wird aus der Not eine Tugend, und wenigstens kenn ich diese Linsen jetzt in- und auswendig… Und ein paar Sachen muss ich halt mit einem Panorama-Stitcher zu einem Bild machen, da gibts einige ziemlich feine Open-Source-Lösungen.

Ich bin gerade am aussortieren und werd mich jetzt bald ins Bearbeiten stürzen. Es ist stark anzunehmen, dass hier auch einige der Bilder landen werden, aber auch jeden Fall meine Serie „Delhi.Strombäume“




Tobias Stadler

Übersicht

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